02.05.2012, Interview: Reto Wüthrich
Naturnah sanieren – aber wie?
Drei Aspekte sind zentral für nachhaltiges Bauen: die Lage des Gebäudes, die Wahl der Baumaterialien sowie die Dämmung des Hauses.
(Das Gebäudeprogramm)
Eine neue Heizung einbauen, Fenster ersetzen, das Dach sanieren? Wer jetzt einen Umbau an seinem Haus plant, sollte die Gelegenheit wahrnehmen, das Gebäude klimagerecht zu sanieren. Doch wie geht das? ecoLife fragte Felix Meier, Leiter Konsum und Wirtschaft beim WWF Schweiz.
ecoLife: Können Sie uns kurz erklären, wodurch sich nachhaltiges und klimagerechtes Bauen oder Umbauen auszeichnet? Felix Meier: Drei Aspekte sind zentral für nachhaltiges Bauen: die Lage des Gebäudes, die Wahl der Baumaterialien sowie die Dämmung des Hauses. Liegt das Gebäude in der Nähe des öffentlichen Verkehrs, entfallen viele Autofahrten. Besteht das Gebäude aus naturnahen Materialien, schont dies nicht nur die Umwelt, sondern meist auch die Gesundheit. Eine gute Dämmung ist zentral für den Betrieb des Gebäudes und schont das Klima. Zudem sind die Heizkosten tiefer.
Wie erkenne ich, ob und wo ich am besten beginne bei einer Modernisierung meines Hauses? Ich bin kein Anhänger von Beratern, doch bei einem Haus lohnt es sich in jedem Fall einen Energieberater zu konsultieren. Die richtige Reihenfolge der einzelnen Sanierungsschritte kann sehr viel Kosten sparen und Ärger vermeiden. Das Bundesamt für Energie und Energie Zukunft Schweiz führen Listen von Energieberatern. Wollen Sie einen ersten Eindruck vom energetischen Zustand Ihres Hauses haben, ohne einen Berater beizuziehen, gibt ein Wärmebild gute Hinweise auf Energielecks. Verschiedene Kantone, aber auch Coop Bau&Hobby bieten diesen Service im Winter an. Zudem bieten wir Kurse zu klimagerechtem Sanieren an.
Heizen: Welches sind derzeit die verbreitetsten Einsatzmöglichkeiten im Bereich erneuerbare Energie in privaten Häusern? Wärmepumpen sind heute die am häufigsten eingesetzte Technologie. Sie entziehen der Umgebung Wärme, ähnlich wie ein Kühlschrank, aber in umgekehrter Richtung. Sie schneiden zusammen mit Holzheizungen auch aus Umweltsicht am besten ab. Abgeschlagen auf dem letzten Platz kommt die Erdölheizung zu liegen.
Worauf sollte man den Blick richten, um bauökologisches Optimierungspotenzial in einem privaten Haus erkennen zu können? Steht eine grössere Sanierung an, fordert man am besten den Standard Minergie Eco ein. Wobei das Eco für nachhaltigere Materialien steht. Dies schliesst verschiedene Materialien wie Kunststoff-Dämmmaterialien oder PVC-Böden aus. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass nachwachsende Rohstoffe wie zum Beispiel Holz meist am besten abschneiden.
Welche Dämmmaterialen sind aus ökologischer Sicht die besten? Dämmstoffe aus nachwachsenden Materialien verbrauchen in der Herstellung meist sehr wenig Energie. Sie sind etwas teurer als «konventionelle» Produkte, dafür sind sie naturnah und dampfdurchlässig, lassen die Feuchtigkeit von innen nach aussen. Kunststoffe wie Polystyrol und Polurethan sind relativ günstige Dämmstoffe. Sie enthalten heute keine Stoffe mehr, die die Ozonschicht gefährden. Im Brandfall können jedoch sehr giftige Gase entstehen. Mineralische Materialien wie Stein- oder Glaswolle sind zwar in der Herstellung energieintensiv, dafür aber relativ günstig und langlebig.
Welche Themen sind wichtig, wenn es um das Innenraumklima geht? Es gibt kaum mehr ein Baustoff, der nicht mit unzähligen Chemikalien versetzt ist. Wählen Sie deshalb v.a. bei grossflächigem Einsatz von Materialien, also bei Farben und Lacken, bei Bodenbelägen und allenfalls auch bei grossen Möbelstücken Produkte aus möglichst naturnahen Materialien. Eine grosse Hilfe sind dabei die Labels Blauer Engel oder natureplus. Sie garantieren Baustoffe mit den strengsten Richtwerten für Wohngifte.
Welche Faktoren sind besonders wichtig, wenn es um das Erstellen einer Kostenschätzung der Sanierungsmassnahmen geht? In vielen Fällen ist der Bauherr nicht der Nutzer des Gebäudes. Das heisst, bei der Kostenrechnung bezieht der Bauherr oft nur die Erstellungskosten mit ein und nicht die Betriebskosten. Das kann dazu führen, dass der Bauherr möglichst wenig dämmt und damit Kosten spart, während dem Nutzer danach die Kosten im Betrieb anfallen. Gerade deshalb sind Gebäudeausweise oder Minergie Standards eine grosse Hilfe. Denn die machen transparent, wie viel Energie das Gebäude im Betrieb verschlingt.
Welche Finanzierungsmöglichkeiten und Förderbeiträge stehen heute im Vordergrund, wenn es um ein privates Einfamilienhaus geht? Der Bund, aber auch die meisten Kantone und viele Gemeinden unterstützen Energiesparmassnahmen am Gebäude, inklusive Solaranlagen. Leider ist es nicht ganz einfach, hier den Durchblick zu haben, denn in jeder Gemeinde ist die Situation etwas anders. Am besten fragen Sie Ihren Architekten oder Energieberater und informieren sich auf energiefranken.ch oder wwf.ch/solar. Die Beiträge können mehrere tausend Franken ausmachen, sind also durchaus attraktiv.
Wann kann man eine klimagerechte Sanierung auf eigene Faust anpacken? Wir Schweizer sind im Vergleich zu unseren nördlichen Nachbarn nicht gerade die typischen Selbermacher. Will man selber Hand anlegen, eignen sich Kellerdecken und Estrichböden oder allenfalls sogar das Dach am besten. Doch aufgepasst: Infomieren Sie sich sorgfältig über den Aufbau der Dämmung und achten Sie auf eine gute Verarbeitung. Die Dampfsperre auf der falschen Seite angebracht oder gar nicht montiert kann zu grossen Feuchteschäden führen. Eine professionelle Hilfe kostet zwar Geld, garantiert jedoch meist auch eine fachmännische Umsetzung ohne späteren Schäden.
Das Bildungszentrum WWF organisiert eintägige Kurse für Hauseigentümer/-innen, die ihr Haus nach ökologischen Aspekten sanieren möchten. Mehr Infos: www.wwf.ch/haussanierung