29.02.2012, Reto Wüthrich
Die Warmduscherin
(Foto BKW / Ruben Wyttenbach)
In Biel gibt es ein Unternehmen mit dem sinnigen Namen Creaholic. Da arbeiten einige der cleversten Menschen der Schweiz. Christoph Rusch ist so einer. Beim Duschen ist ihm eingefallen, wie man dabei viel Energie sparen könnte.
Joulia ist hübsch, gut gebaut, gescheit, ökologisch sensibel, gut verdienend und eine Warmduscherin. Letzteres mag umgangssprachlich nicht gerade ein Kompliment sein. Aber in diesem Fall schon. Denn Joulia ist keine attraktive Dame, die sich bei der Partnervermittlung beworben hat. Sondern eine Duschwanne. Ihren Namen hat sie in Anlehnung an den britischen Physiker James Prescott Joule erhalten – nach ihm ist die Einheit benannt, mit der Wärmemengen gemessen werden. Das spielt bei Joulia eine entscheidende Rolle: Es ist die erste Duschwanne der Welt mit integrierter Wärmerückgewinnung.
Wenn Sie in einem Vier-Personen-Haushalt wohnen, sieben Mal in der Woche während rund sechs Minuten mit einem Duschkopf mit 9 bis 13 Liter Verbrauch pro Minute duschen und dabei Joulia einsetzen, sparen Sie gut einen Drittel Energie. Würde man dies spielerisch auf die Schweiz hochrechnen, entspräche dies einem Heizöl-Tanklastzug von 104 Kilometer Länge. Gewaltig. Und wer hats erfunden? Die Schweizer. Um genau zu sein: die Bieler.
Bahnbrechende Einfälle Den entscheidenden Geistesblitz hatte Christoph Rusch als er unter der Dusche stand: Könnte man das warme Wasser nicht ein zweites Mal nutzen? Die Frage liess ihn nicht mehr los. Er brachte sie mit ins Büro.
Nun ist wichtig zu wissen, dass sein Arbeitsplatz in einer umgebauten Seifenfabrik an der Zentralstrasse in Biel liegt. Der Arbeitgeber heisst Creaholic. In diesem Unternehmen vereinigen sich Entwickler, Ingenieure, Designer, Physiker, Mathematiker oder Ökonomen, alles clevere und findige Menschen, die interdisziplinär an Innovationen forschen, welche die Welt ein Stück voran weiterbringen.
Bahnbrechende Erfindungen sollten es sein, so die Vision von Elmar Mock. Er ist einer der Erfinder der Swatch-Uhr und hat Creaholic 1986 gegründet. Über 150 Patente und mehr als 600 Projekte sind seither das beeindruckende Ergebnis dieser Arbeit. Creaholic arbeitet im Auftrag namhafter Kunden wie Bosch, Tetra Pak, Swisscom, Roche, Nestlé, Sony Ericsson oder Givaudan, entwickelt aber auch selber Projekte. Zahlreiche Spin-offs sind die Folge. Die im Juli 2010 gegründete Joulia SA ist so eines.
100 geschenkte Stunden Creaholic hat eine Besonderheit eingeführt: Jeder Mitarbeitende erhält 100 Stunden Zeit, um an eigenen Ideen zu arbeiten. Danach wird das Ergebnis des Hirnens und Tüftelns den anderen präsentiert. Gemeinsam wird entschieden, ob das Projekt weiterverfolgt werden soll oder nicht. Dabei ist auch die Aussicht auf Rentabilität ein Faktor, wie Marcel Aeschlimann erklärt, der Managing Partner von Creaholic: «Viele Leute meinen, eine gute Idee zu haben, sei eine Innovation. Doch für uns ist erst ein erfolgreiches Produkt wirklich innovativ.» Dass am Ursprung aber manchmal etwas Verrücktes stehen kann, vielleicht sogar stehen muss, das ist für ihn ebenso unbestritten.
Und so arbeitete das eigens formierte Team in den letzten Monaten immer begeisterter an Joulia. An der Swissbau-Messe wurde die kluge Duschwanne jüngst lanciert – und von Sanitär- oder Bauunternehmern ebenso gefeiert wie von allen, die im Badezimmer Wert auf Ökologie gepaart mit gutem Design legen. «Wir haben von Beginn weg ein Auge darauf gehabt, dass die Leute die Wanne theoretisch auch ohne die Ökofunktion kaufen würden – einfach, weil sie so schön ist», sagt Reto Schmid, der Joulia als Head of Design massgeblich geprägt hat.
Sauber Sache Die ökologisch nachhaltige Funktion vom Joulia ist simpel. Und gerade deswegen so raffiniert: Statt das verbrauchte Duschwasser warm in die Kanalisation zu leiten, entzieht der spezielle Duschwannenboden dem abfliessenden Wasser die Wärme. Diese wird nun an das vorbeiströmende Kaltwasser abgegeben, womit sich dieses von zirka 10 auf 25 Grad erwärmt und somit wesentlich wärmer an die Mischbatterie gelangt. Dadurch ist viel weniger Heisswasser aus dem Boiler oder Solarspeicher notwendig. Der einfache und äusserst effiziente Wärmetauscher reduziert den Energiebedarf beim Duschen um fast die Hälfte. Das spart Energie und CO2 und macht die Duschwanne zur ersten, die Geld verdient. Eine saubere Sache.
www.creaholic.com www.joulia.ch
Kommentare
Claudia, 09.05.2012 22:00:20
Bitte den Link korrigieren... Es heisst www.joulia.com!!!
Danke
Tschopp Werner, 28.04.2012 10:14:08
Ich hätte gerne die technischen Unterlagen für den Einbau dieser Duschentasse.
Gerhard Fitze, 25.04.2012 18:11:48
Eine gute Idee. War schon lange fällig, habe aber noch nie etwas davon gelesen oder gehört. An die Presse damit!!!